Presse

Schwarzwälder Bote, 17. Februar 2019 – Von Uwe Priestersbach

Nagold

Die Hälfte der Kandidaten ist neu

Unter dem Motto „unabhängig, engagiert, kompetent“ haben jetzt auch die Freien Wähler im Nagolder Gemeinderat ihre Kandidatenliste für die Kommunalwahlen im Mai präsentiert. „Wir sind von der politischen Ausrichtung in der Mitte angesiedelt“, sagt Eberhard Haizmann.
26 Kandidaten schicken die Freien Wähler in den Nagolder Gemeinderats-Wahlkampf. / Foto: Priestersbach / Foto: Schwarzwälder Bote

Nagold. Bei dieser Gelegenheit spricht der Fraktionschef mit Blick auf die 26 Kandidaten von einem breiten Spektrum. So seien ganz unterschiedliche Berufsgruppen auf der Liste vertreten, ebenso praktisch alle Altersgruppen und acht Frauen. Die Hälfte der Kandidaten im 26-köpfigen Bewerberfeld ist neu aufs Kandidatenkarussell aufgesprungen, wobei sechs der amtierenden sieben Freien Wähler im Gemeinderat erneut antreten.

Als „besonderes Kennzeichen“ bei den Freien Wählern bezeichnet Stadtrat Ulrich Hamann den Umstand, dass auf der Kandidatenliste viele Leute stehen, „die sich schon ehrenamtlich zum Wohle der Stadt engagieren“ – sei es in Vereinen, Bürgerforum, Urschelstiftung sowie City- oder Gewerbeverein. Eine weitere Besonderheit: Fünf der acht Ortsvorsteher aus den Nagolder Stadtteilen kandidieren bei den Freien Wählern. „Unsere parteiliche Unabhängigkeit bewegt viele zur Kandidatur“, ist Ulrich Hamann überzeugt.

Vor fünf Jahren waren die Freien Wähler mit sieben Sitzen in den Nagolder Gemeinderat eingezogen, und das ist auch in diesem Jahr das Minimalziel. Insgeheim fände man es natürlich optimal, wenn die Freien Wähler wieder die acht Sitze aus dem Jahr 2009 erreichen würden.

Dass in diesem Jahr unter Umständen erstmals ein Kommunal-Wahlkampf mit härteren Bandagen als früher geführt werden könnte, ist auch den Freien Wählern in den vergangenen Wochen nicht entgangen. „Ein bisschen Wahlkampf vertragen wir schon“, macht Ulrich Hamann deutlich. Gleichzeitig wünsche man sich aber, „dass der Nagolder Geist im Wahlkampf und in der kommenden fünfjährigen Wahlperiode vorherrscht“.

„Wir brauchen Glasfaserkabel an den Schulen“

Inhaltlich sieht man vor allem den bezahlbaren Wohnraum in Nagold als „Mega-Thema“ der nächsten Jahre, doch auch die Innenstadt-Entwicklung steht im Fokus der Freien Wähler. In Sachen Innenstadt sieht man Nagold zwar gut aufgestellt, doch man dürfe nicht schlafen, damit dies auch in Zukunft so bleibe, wie Eberhard Haizmann unterstreicht. Als beherrschendes Finanzthema der kommenden Jahre sehen die Freien Wähler die Schulsanierungen und die Kinderbetreuung. Dazu gehört für den Pädagogen Ulrich Hamann auch das Thema Bildung und Digitalisierung – und seiner Meinung nach „brauchen wir Glasfaserkabel an den Schulen“. Doch auch in den Stadtteilen soll es sich gut leben lassen, weist Hamann auf die notwendige Infrastruktur hin.

Für den Gemeinderat kandidieren auf der Liste der Freien Wähler Ralf Benz, Nagold, Roman Benz, Nagold, Esther Betz-Börries, Nagold, Helmut Blaich, Nagold, Petra Brauer, Nagold, Rüdiger Bronner, Nagold, Gregor Carl, Gündringen, Ulrich Ellenberger, Nagold, Matthias Flury, Nagold, Ulrich Häfele, Nagold, Eberhard Haizmann, Hochdorf, Ulrich Hamann, Nagold, Sandra Hörrmann, Pfrondorf, Sebastian Kalmbach, Nagold, Ralf Klemm, Emmingen, Manuel Klumpp, Nagold, Christoph Leins, Nagold, Siegrid Plaschke, Hochdorf, Michael Rapp, Mindersbach, Thomas Reimer, Schietingen, Regine Rentschler, Nagold, Stefanie Renz, Pfrondorf, Heiderose Rück, Mindersbach, Michael Stikel, Nagold, Hans Stollsteimer, Vollmaringen, Kristin Weinfurth, Nagold.

Rudolf Bachmann kandidiert nur noch für den Kreistag

Für den Kreistag bewerben sich Bruno Schmid, Hochdorf, Rudolf Bachmann, Pfrondorf, Esther Betz-Börries, Nagold, Helmut Blaich, Nagold, Gregor Carl, Gündringen, Christoph Leins, Nagold, Stefanie Renz, Pfrondorf, Heiderose Rück, Mindersbach und Hans Stollsteimer, Vollmaringen.

Schwarzwälder Bote, 17. Januar 2019 – Von Roland Buckenmaier

Nagold

Sie verstehen sich als Realos

Seit 20 Jahren liefern sich Freie Wähler und die CDU in Nagold ein konservatives Pingpong-Spiel: Wechselseitig löst man sich als stärkste Fraktion ab. Die Christdemokraten liegen derzeit mit acht Sitzen vorn – noch. Eberhard Haizmann, Chef der Freien Wähler im Stadtrat, ist guter Dinge, nach der Kommunalwahl im Mai wieder auf Platz 1 zu stehen. Was ihn so positiv stimmt? „Eine sehr gute Kandidatenliste“, sagt er.

Foto: Buckenmaier / Foto: Schwarzwälder Bote

Nagold. Schon seit Monaten tüftelt die FWV-Spitze um Haizmann, Ulrich Hamann und Siegrid Plaschke am 26-köpfigen Bewerberfeld. Da steckt viel Mühe drin, weil man „Querschläger“ tunlichst vermeiden will. Während andere Parteien ihre Listen mit Parteigängern füllen, schaut man bei den Freien Wählern vor allem auch darauf, ob es menschlich passt. „Dafür“, sagt Haizmann, „verbringt man zuviel Zeit miteinander, als dass man sich noch bei jeder Fraktionssitzung ärgern will.“

Kurz vor Weihnachten war nur noch eine Handvoll Bewerberplätze vakant, die in den vergangenen Tagen aber besetzt wurden. Die Freien Wähler setzen zum einen auf bekannte Gesichter, voran auf die im Stadtrat sitzenden politischen Schwergewichte. Mit Eberhard Haizmann stellte man 2014 den unangefochtenen Stimmenkönig, Siegrid Plaschke rangierte im Stimmenranking auf Platz 4. Nur einer der sieben amtierenden FWV-Stadträte tritt nicht mehr an: Rudolf Bachmann, (69), der sich nach 30 Jahren Kommunalpolitik altershalber zurückziehen will. Auf der anderenSeite setzen die „Freien“ auf Erneuerung: 13, also die Hälfte der Kandidaten, sind neu aufs Kandidatenkarussell aufgesprungen. „Die muss man erst mal finden“, sagt Haizmann, der mit nicht weniger Genugtuung auf eine weitere Besonderheit seiner Truppe verweist: Von den acht Ortsvorstehern in Nagold kandidieren fünf auf den beiden FWV-Listen für Gemeinderat und Kreistag. „Das ist ein klares Bekenntnis“, konstatiert Stadtratskollege Ulrich Hamann, „dass wir Nagold als Ganzes sehen“. Zugleich sei das FWV-Bewerberfeld ein Spiegelbild dessen, was in Nagold ehrenamtlich geleistet werde – mit Repräsentanten aus Vereinen, Bürgerforum, Urschelstiftung, City- oder Gewerbeverein.

Politisch werben die Freien Wähler für die kommenden fünf Jahre – wie gehabt – mit einer „konstruktiven Sachpolitik“. Damit sei Nagold in der Vergangenheit gut gefahren. Parteigezänk sei ihnen fern, betonen sie unisono, aber wie Stadtratskollege Daniel Steinrode von der SPD jüngst öffentlich über den Stillstand Nagolds räsoniert hatte, echauffiert die „Freien“ doch. „Wer Nagold schlecht redet, liegt einfach voll daneben“, meint Siegrid Plaschke, ehrenamtlich auch Vorsitzende des Cityvereins.

Im Gegenteil: „Es scheint so“, sagt Plaschke, „dass wir in Nagold in den letzten Jahren vieles richtig gemacht haben.“ Haizmann gibt die Devise aus: „nicht nachlassen.“ Dies gelte nicht nur bei der Innenstadtentwicklung, sondern auch bei der Digitalisierung, im Bildungsbereich oder auch in der Frage, wie in Nagold bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt werden kann. Mit der Initiative „Hoffnungshaus“ im Hasenbrunnen sieht man die Stadt hier auf einem guten Weg. „Sachpolitik, ohne Lärm darum zu machen“ sei oberste Maxime, sagt Haizmann. Oder wie es Fraktionskollegin Plaschke ausdrückt: „Wir verstehen uns als Realos im Gemeinderat.“ Umso mehr stoßen ihnen im bereits angelaufenen Kommunalwahlkampf Polemik und Agitation auf, vor allem mit Blick auf das umstrittene Absprunggelände bei Haiterbach. Dass in Flugblättern mit Fotomontagen von Tieffliegern über Nagolds Innenstadt agitiert werde, stößt bei Eberhard Haizmann auf null Verständnis: „Im Moment wird der Bevölkerung vorgegaukelt, dass die Stadt Nagold mitentscheidet. Das kann sie nicht.“ Er plädiert stattdessen für eine sachlich-konstruktive Begleitung dieser Pläne. Zuerst gelte es die Gutachten abzuwarten: „schauen, was rauskommt“. Und es werde „kein Mauschelgeschäft geben“, verspricht Plaschke. offiziellen Versammlung am 28. Januar im Hochdorfer Braustüble bleibt die Kandidatenliste der Freien Wähler noch unter Verschluss, dafür machte Fraktionschef Haizmann vor der Wahl Interna öffentlich: In der nächsten Legislaturperiode will der heute 64-Jährige den Fraktionsvorsitz abgeben. Sein Nachfolger steht schon parat, sofern der Wähler als Souverän dem Vorschlag folgt: Ulrich Hamann (50), in der Stadt vielfach engagierter Pädagoge, soll dann genug Zeit haben, sich als Fraktionschef einzuarbeiten.

Dass hier ein Wechsel bevorsteht, konnten kommunalpolitische Beobachter schon an einer geänderten Rollenverteilung erkennen: Nicht Fraktionschef Haizmann hatte in den vergangenen Jahren wie üblich die Haushaltsrede für die Freien Wähler gehalten, sondern sein 50-jähriger Kollege Hamann.