Geplantes Absetzgelände – Besuch der Freien Wähler Nagold in Renningen
Um Informationen aus erster Hand ging es den Nagolder Freien Wählern bei zwei Besuchen in Renningen. Auf dem Absetzgelände im dortigen Ortsteil Malmsheim machten sich Gemeinderäte und Kandidaten direkt vor Ort ein Bild. Das Gelände ist an die Firma Bosch zur Erweiterung ihres Forschungszentrums verkauft worden. 
 
Als Ersatz ist der Platz auf der Höhe zwischen Gündringen und Haiterbach im Gespräch, was auch in Nagold für Diskussionen sorgt. Die Renninger haben seit Jahrzehnten Erfahrungen mit den Militärs.
 
Gesprächspartner der Delegation war der Renninger Bürgermeister Faißt, vor Jahren übrigens Leiter des Hauptamtes in Nagold. Den Freien Wähler ging es vor allem um konkrete Fakten. Wie sieht ein solches Gelände aus? Wie nimmt man die Militärflugzeuge wahr? Wie groß ist die Beeinträchtigung der Renninger durch das Absetzgelände? 
 
Auf die Lärmbelästigung angesprochen berichtet Faißt : „Die Flugzeuge, mit denen Bundeswehr und Amerikaner den Platz überfliegen, hört man kaum. Die Amerikaner kommen ab und zu mit Hubschraubern, die sind so weit oben, dass sie auch nicht laut sind. Da ist ein Rettungshubschrauber über der Stadt schon ein ganz anderes Erlebnis. Die Bundeswehr fliegt mit einer Transall. Es ist immer die gleiche Flugrichtung von West nach Ost. Renningen darf nicht überflogen werden.  Die setzen 6-7 Soldaten ab, das zwei bis drei Mal hintereinander, die Soldaten sammeln sich am Rande des Geländes und fahren mit kleinen Bussen wieder weg“.  
 
Die Flüge werden angemeldet. Nach einzelnen Flugübungstagen höre man dann wochenlang gar nichts mehr. „Die genehmigten Tage nutzen die nie aus. Wir erleben hier Sprünge, keine Manöver. Material wird sehr selten abgesetzt.“ 
 
Von den Nagolder Freien Wählern wird Faißt auf die Befürchtung angesprochen, der Partner Bundeswehr halte sich vielleicht noch an die Abmachungen, die amerikanischen Militärs seien doch aber dafür bekannt, dass sie machten, was sie wollten. Der Renninger Bürgermeister berichtet von einem Vorfall vor einigen Jahren. Damals seien die Amerikaner unangemeldet mit einem riesigen Hubschrauber aufgetaucht. Nach einer Intervention bei der Bundewehr sei der Spuk schnell wieder vorbei gewesen. „So ärgerlich das war, so beruhigend war es, dass sofort etwas geschehen ist.“  Etwas Ähnliches habe er seither nicht wieder erlebt.
In Malmsheim ist das Militärgelände nur 200 Meter vom nächsten Wohngebiet entfernt. Das Gelände ist nicht abgegrenzt, es wird auch während der Absprünge der Fallschirmspringer nicht gesperrt.
 
Wolfgang Faißt gab klare Antworten. „Was  die Wohnqualität anbelangt, gibt es für uns überhaupt keine Beeinträchtigung“, konstatiert er. Faißt spricht aus eigener Erfahrung. Er wohnt selber neben dem Gelände.
Der Renninger Schultes redet über die Bedeutung, die Bosch weit über die Grenzen seiner Stadt hinaus hat. 
„Es wird hier 2000 Arbeitsplätze in der Grundlagenforschung von Bosch geben. Im Raum Stuttgart sind Fachkräfte Mangelware. Der Einzugsbereich des Bosch-Zentrums werde deshalb bis  weit in den Nordschwarzwald hinein reichen, so die Einschätzung des Bürgermeisters. „Aus Nagold und Haiterbach höre ich oft den Satz: Wir bekommen Lärm und Dreck, ihr bekommt die Arbeitsplätze.“ In Renningen sieht man das anders. Nach Faißts Einschätzung wird seine Kommune, so sehr ihm Bosch auch willkommen ist, einen erheblichen Zuwachs an Verkehrsbelastung verkraften müssen. Er sieht auf der anderen Seite auch für die Nachbarkreise einen klaren Zugewinn. 
 
Der Besuch auf dem Rathaus war der zweite Ausflug der Nagolder Freien Wähler in den Nachbarkreis. Ein Teil der Gemeinderatsfraktion und Kandidaten hatten ein paar Tage zuvor schon die Gelegenheit wahrgenommen ein Absetzmanöver der Amerikaner in Malmsheim zu beobachten.
 
Dabei konnte man sich vor Ort einen Eindruck von Lautstärke und Ablauf machen. Es bestand die Gelegenheit zum Gespräch mit Vertretern der Bundeswehr, des Staatsministerium in Stuttgart aber auch mit einer Kreisrätin der Grünen, die ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Geländes wohnt. Dass keiner der Kritiker aus Haiterbach oder Nagold anwesend war ist für die Freien Wähler symptomatisch für die Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ihrer Einschätzung nach wird die Debatte dominiert von Mutmaßungen, Polemik und unbelegten Behauptungen. 
 
Die Freien Wähler werden auch bei diesem Thema ihre Entscheidung auf der Basis von Fakten und eigenem Augenschein treffen.